Ich habe mir den Film 24/7 The Passion of Life auf Arte angeschaut.
Er wird übrigens Am Samstag, 12. Nov. um 02h50 wiederholt.
Filmfoto:
Ich habe keine Lust und keinen Anspruch auf eine ausgewogene Filmkritik. Dafür denke ich mich wohl in eine solche Produktion viel zu sehr hinein, bewahre keine Distanz.
Aber so viel möchte ich dazu schon los werden:
Mir hat der Film gefallen. Ich finde, dass er verschiedene Figuren im Umfeld eines Domina-Lebens – und deren Person selbst – durchaus liebevoll gezeichnet hat und damit hinter die erste Wand oberflächlicher Projektionen geleuchtet hat. Auch die Leistung der Schauspieler war beeindruckend.
Auch wenn ein Spielfilm immer eine intellektuelle Auseinandersetzung mit einem Thema ist, so macht gerade dieser Film dies klar:
Bricht man das scheinbar Stereotype auf, wird schnell klar, wie viel “Kopfarbeit” in der Grundkonstellation von Sub und Dom liegt und darin sowohl Problem wie Chancen der Gäste liegen:
Auf der einen Seite steht die Herausforderung, sich wirklich fallen lassen zu können, seine Lust zuzulassen, und andererseits wird durch die herbei geführte Konstellation unheimlich viel im Kopf ausgelöst.
Nachdenklich macht die Botschaft, dass der Mensch, ohne dass er seine sexuelle Identität gefunden und akzeptiert hat, im Grunde mit dem Menschsein gar nicht beginnen kann.
Manchmal wünschte ich mir, ein solcher Film würde ganz bewusst auf für Aussenstehende extrem wirkende Rollenverhalten der Protagonisten verzichten – aber wahrscheinlich ist der Reiz, durch den “Mut”, solches darzustellen, auch entsprechend aufzufallen, einfach zu gross. Immerhin ist Reber zu attestieren, dass er tatsächlich versucht, die Menschen mit diesen Rollenidentitäten tatsächlich ernst zu nehmen. Auf jeden Fall nehme ich ihm das ab.
Dann bleibt eines für mich noch wichtig, von dem ich meine, dass es im Film sehr deutlich wird:
Der Rufer in der Wüste, die Person, welche den klarsten Blick aufs Leben zu werfen vermag, bleibt inmitten ihres Umfelds sehr allein. Es ist dies für mich immer wieder die stumme Frage, die über allem hängt, über jedem kleinen Stück Glück, das ich gewinne:
Und was ist mir Dir, Herrin?
Vielleicht muss sie stets die Wahrheit mehr (er-)leben, dass wir alle im Grunde mit uns allein sind. Je mehr wir das zulassen, dieses “Uns”, je mehr wir uns selbst akzeptieren können, um so weniger werden wir damit aber einsam. Und dafür wünsche ich klarsichtigen Menschen aller Couleurs auf jeden Fall immer wieder neu, dass sie Begleiter finden auf ihrem Weg, mit denen sie sich – in welcher Form auch immer – tatsächlich darüber verständigen können, was zu suchen im Leben sich lohnt. Für jeden Einzelnen auf dessen Weg.
