Mein Glück mit und unter Dir

credit: atheism.about.com via examiner.com - bearbeitung: smartig

24/7 geht nicht. Hört man immer wieder.

Ich bin ja der letzte, der wirklich autorisiert wäre, darüber zu urteilen, denn ich habe keine entsprechenden Erfahrungen. Was ich gerade erlebe und mit Leben füllen will, ist das verbindliche Bekenntnis zu einem Menschen, dem ich Freund sein will – und ehrlich empfindender Spielgefährte, wenn wir denn Gelegenheit bekommen, uns darin weiter einander zu nähern.

Nachdenken mag ich zu und über 24/7 aber schon.

Wie weit kann eine D/s-Beziehung gehen, wie umfassend darf sie das Leben zweier Menschen bestimmen?

24/7-Konstellationen im Kopfkino leben oft von der Fiktion einer undwiderbringlich installierten und entsprechend durchgesetzten Sklavenschaft. Sie sind ohne Schaden für die menschliche Person wohl nicht zu leben und durchzuhalten. Reden wir von einander mit mehr als nur Respekt, mit Zuneigung und Liebe verbundenen Menschen, so kann 24/7 nur etwas anderes heissen:

Im Wechselspiel von Augenhöhe und Unterwerfung stehend wie kniend  dieses unbeschreibliche, ganzheitliche JA immer wieder neu zu fühlen, zu vertiefen, auszusprechen und neu zu feiern. Die Unterwerfung des Sklaven muss im Bewusstsein beider Seiten stets ein bewusster Akt bleiben, ein sich erneuerndes Geschenk, zu dem immer wieder beide Seiten Ja sagen. Ich kann mir vorstellen, dass man als Sub in einer Lebensgemeinschaft ganz besonderen Ängsten ausgesetzt sein kann, wenn man sich selbst nicht gut spürt und an sich zweifelt. Die Kette, die Fessel wird zum einzigen Halt versprechenden Bindeglied. Darum ist es bestimmt als Dom oft eine sehr viel Kraft brauchende Anforderung, Halt zu geben und gleichzeitig dagegen anzukämpfen, dass der sich Unterwerfende sein einziges Glück, seine Lebensgrundlage nur noch in seiner Herrin sieht, oder ihrem Herrn.

Es kann nur dauerhaft funktionieren, wenn ich als Sub begreife, dass alles, was ich über mich lerne und in diesem einen Menschen erlebe, ein wunderbares Geschenk ist, an dem ich als Person wachsen kann. Ich kann daraus schliessen, dass ich niemals mehr ohne diesen Menschen leben möchte. Das empfinden “normal” Liebende auch so. Ich muss aber in meinem Innersten wissen, dass das, was ich an Akzeptanz erlebe, ich mir selbst für mich auch aneignen muss: Meine Herrin ist meine Lehrerin. Was ich lerne, gehört mir und bleibt mir erhalten, selbst wenn ich von ihr jemals dauerhaft getrennt werden sollte.

Und kein Dom will in der Einsamkeit absoluter Herrschaft stets über den Kopf seines Partners hinweg sehen. Inspiration, gemeinsames Leben bedeutet, die Talente des anderen zu fördern, und ihn darin auch zu bestärken. Das bedeutet dann ganz natürlich, dass ich mit breiten Schultern durchs Leben gehe – die ich dann, wenn es Zeit dafür ist, um so freigiebiger und bewusster wieder vor Ihr fallen lasse.

Das Spektrum der möglichen Ausgestaltungen ist riesig – und wie in anderen Beziehungen auch ist wohl die allergrösste Herausforderung, diese Breite zu erhalten und nicht in Stereotype zu verfallen. Gerade als Sklave muss ich wissen: Wenn ich nur noch nach Erniedrigung verlangen sollte – dann habe nicht nur ich, sondern auch meine Partnerin ein grosses Problem, und es ist Zeit, zu gehen.

Stolz über jede Form der Kennzeichnung

Worum ich dich, Mit-Sklave der höheren (oder tieferen?) Ordnung beneide? Es ist deine Bereitschaft, die Spuren deiner Unterwerfung zu tragen.

Die mir gegenüber stolz funkelnden Augen unter deiner glatten Stirn, dein kahl rasierter Schädel, die fehlenden Augenbrauen…, die Nippelpiercings, welche an deinem Unterhemd scheuern, und vor allem die Tätowierung auf deiner Arschbacke, die dich als Eigentum deiner Herrin kennzeichnet…, genau so, wie die immer neuen Muster der Peitschenhiebe auf deiner Haut, mit denen du mir schmerzlich bewusst machst, wie kümmerlich mein eigenes Bekenntnis zu unserer Göttin doch ist…

Wie sehr wünsche ich mir daher die  geistig-psychische Markierung deiner Herrschaft, angebetete Herrin, mit der du die fehlenden äusseren Insignien meiner Abrichtung mit um so mehr Strenge, Konsequenz und Lebensgefühl kompensieren kannst, auf dass ein einziger Fingerzeig genüge, mich zu lenken und jede Veränderung in der Tonlage deiner  Stimme dazu führt, dass ich mich augenblicklich auf deinen nächsten Wunsch fokussiere.

Es soll der besondere Reiz unserer Verbindung sein, dass du mich jederzeit aus einer ungezwungenen Konversation in meine Sklavenschaft zwingen kannst – die so zu viel mehr wird als eine angenommene Rolle – sondern ein Teil meines Wesens, den du geniesst – womit du mich über alle Massen glücklich machst und mir jene Wertschätzung erweist, die ich ersehne, immer ersehnt habe.