Studiogänger zwischen Traumtanz und Selbstfindung

Ich habe jene wiederholten “Studiogänger” nie verstanden, welche mal rasch einer Stiefelfrau zu Füssen kriechen, schauen, wie sich das anfühlt, und dann wieder gehen, und das war’s?

Quelle: unbekannt - Bearbeitung: smartig

Aber das muss ja auch nicht ich verstehen, sondern die Domina, die ihre Dienste anbietet. Sie ist vielleicht genau so distanziert zu ihrem Tun, und so treffen sich zwei Menschen, die aneinander vom eigenen Ganzen abgekoppelte Wesenszüge erproben- und danach nach Hause gehen, wie ich vielleicht von einem aufregendes Fussballspiel nach Hause komme.

Wenn ich dann erzählt bekomme, mit welcher Art “Freiersprache” solche Typen bei Herrinnen aufkreuzen, dann kann ich mich nur wundern.

Umgekehrt ist diese ein Stück weit seelenlose Odyssee in eine Traumwelt vielleicht genau noch das, was Aussenstehende verstehen mögen – oder akzeptieren können? Gott sei Dank funktioniert der Typ ansonsten normal, oder?

Ich für mich habe kein einziges gebeugtes Knie, keine Bodenberührung meiner Stirn zur Vergeudung übrig. Ich suche und finde mich selbst in meiner Hingabe. Wenn ich nach Hause komme, dann bin ich mir näher gekommen, und diese Erfahrung will ich mitnehmen. Sie soll mir bleiben und ein Teil von mir werden, denn ich erlebe mich darin als ein Stück weit ganz geworden, vollständiger auf jeden Fall, als ich es zuvor war.  Die Sprache, die jemand in seinem Verhalten als Sub (oder Dom) findet, soll vom Menschen erzählen, der diese Worte findet. Dieses Feld der Dominanz und Submission ist wie eine Fremdsprache, in der es sehr vielfältigere und reichere Ausdrucksweisen für das zu entdecken gibt, was wir in jede Beziehung mit Liebe hineintragen: Hingabe.

Natürlich hat ein Studiobesuch nichts mit Liebe zu tun. Sich selbst aber sollte man dabei sehr lieb verbunden sein. Beidseitig.

Mein Glück mit und unter Dir

credit: atheism.about.com via examiner.com - bearbeitung: smartig

24/7 geht nicht. Hört man immer wieder.

Ich bin ja der letzte, der wirklich autorisiert wäre, darüber zu urteilen, denn ich habe keine entsprechenden Erfahrungen. Was ich gerade erlebe und mit Leben füllen will, ist das verbindliche Bekenntnis zu einem Menschen, dem ich Freund sein will – und ehrlich empfindender Spielgefährte, wenn wir denn Gelegenheit bekommen, uns darin weiter einander zu nähern.

Nachdenken mag ich zu und über 24/7 aber schon.

Wie weit kann eine D/s-Beziehung gehen, wie umfassend darf sie das Leben zweier Menschen bestimmen?

24/7-Konstellationen im Kopfkino leben oft von der Fiktion einer undwiderbringlich installierten und entsprechend durchgesetzten Sklavenschaft. Sie sind ohne Schaden für die menschliche Person wohl nicht zu leben und durchzuhalten. Reden wir von einander mit mehr als nur Respekt, mit Zuneigung und Liebe verbundenen Menschen, so kann 24/7 nur etwas anderes heissen:

Im Wechselspiel von Augenhöhe und Unterwerfung stehend wie kniend  dieses unbeschreibliche, ganzheitliche JA immer wieder neu zu fühlen, zu vertiefen, auszusprechen und neu zu feiern. Die Unterwerfung des Sklaven muss im Bewusstsein beider Seiten stets ein bewusster Akt bleiben, ein sich erneuerndes Geschenk, zu dem immer wieder beide Seiten Ja sagen. Ich kann mir vorstellen, dass man als Sub in einer Lebensgemeinschaft ganz besonderen Ängsten ausgesetzt sein kann, wenn man sich selbst nicht gut spürt und an sich zweifelt. Die Kette, die Fessel wird zum einzigen Halt versprechenden Bindeglied. Darum ist es bestimmt als Dom oft eine sehr viel Kraft brauchende Anforderung, Halt zu geben und gleichzeitig dagegen anzukämpfen, dass der sich Unterwerfende sein einziges Glück, seine Lebensgrundlage nur noch in seiner Herrin sieht, oder ihrem Herrn.

Es kann nur dauerhaft funktionieren, wenn ich als Sub begreife, dass alles, was ich über mich lerne und in diesem einen Menschen erlebe, ein wunderbares Geschenk ist, an dem ich als Person wachsen kann. Ich kann daraus schliessen, dass ich niemals mehr ohne diesen Menschen leben möchte. Das empfinden “normal” Liebende auch so. Ich muss aber in meinem Innersten wissen, dass das, was ich an Akzeptanz erlebe, ich mir selbst für mich auch aneignen muss: Meine Herrin ist meine Lehrerin. Was ich lerne, gehört mir und bleibt mir erhalten, selbst wenn ich von ihr jemals dauerhaft getrennt werden sollte.

Und kein Dom will in der Einsamkeit absoluter Herrschaft stets über den Kopf seines Partners hinweg sehen. Inspiration, gemeinsames Leben bedeutet, die Talente des anderen zu fördern, und ihn darin auch zu bestärken. Das bedeutet dann ganz natürlich, dass ich mit breiten Schultern durchs Leben gehe – die ich dann, wenn es Zeit dafür ist, um so freigiebiger und bewusster wieder vor Ihr fallen lasse.

Das Spektrum der möglichen Ausgestaltungen ist riesig – und wie in anderen Beziehungen auch ist wohl die allergrösste Herausforderung, diese Breite zu erhalten und nicht in Stereotype zu verfallen. Gerade als Sklave muss ich wissen: Wenn ich nur noch nach Erniedrigung verlangen sollte – dann habe nicht nur ich, sondern auch meine Partnerin ein grosses Problem, und es ist Zeit, zu gehen.

Meines Glückes Schmid bin ich selbst

Eine gute Partnerschaft führen zu dürfen, ist ein grosses Glück – und immer auch eine Herausforderung. Sie braucht Arbeit und den immer wieder sich selbst geschuldeten Willen, am Vertrauen in sich selbst arbeiten zu wollen. Denn:

Niemand kann für das Glück eines anderen Menschen verantwortlich sein. Das bleibt, auch an der Seite eines geliebten Menschen, eines Partners, der nur Augen, Herz und Ohren für dich hat, deine ganz eigene Aufgabe, die du nicht fremdvergeben kannst. Ein kleines Beispiel dafür ist:

Der beste und eng mit mir verbundene Mensch kann mir beschreiben, wie wundervoll ich bin. Wenn ich es nicht hier und jetzt auch glauben kann, habe ich ein Problem. Vielleicht denke ich:

“Bitte, sag mir das immer wieder. Irgendwann kann ich es glauben und annehmen.”

Wenn dem so ist, dann habe ich ein Problem, das dieser Mensch für mich nicht lösen kann und zu dem er auch nichts weiter wird beitragen können: Ich muss und darf in mir erkennen, dass ich eine tolle Person bin, liebenswert, mit Eigenschaften, die mir eigen sind und die mir bleiben, ganz unabhängig von den Menschen, die um mich herum sind.

Bild-Vorlage gefunden bei http://rolloloves.tumblr.com, via http://secret-dedication.tumblr.com/; Fotograf unbekannt; Bearbeitung: smartig

Und nur dann, wenn ich dieses Selbstvertrauen, die Selbstliebe für mich aufbringe, kann ich auch ohne Klammern lieben und das Zusammensein mit mir anbieten – aus vollem Herzen die Hand aufhaltend, auf dass du sie ergreifen kannst.

Und wenn diese Kunst eine so grosse und wichtige ist – wie sehr steigt die Herausforderung dann für eine Sub-Dom-Beziehung noch an? Und wie passt das zusammen, wie “geht das überhaupt”.

Das Geschenk an Vertrauen und Hingabe, das einer Sub-Dom-Beziehung zugrunde liegt, kann durchaus dafür sogar eine Hilfe sein. Mehr dazu später.