Wenn man, wie ich, nach langen Jahren wirklich Frieden findet, dann ist der Lohn aller Suche nicht zuletzt ein dankbares Staunen:
Es gab auf diesem meinem Weg immer wieder Menschen, die meiner Seele Gutes taten – und ich hoffe inständig, dass ihre Erinnerungen an mich auch nur im Ansatz so positiv sind, wie die meinen für sie, für diese Frauen, die mir den Weg zu mir selbst erleichterten.
Man muss die Schritte selber machen, das ist wohl wahr, niemand kann für mich in meinen Schuhen stehen. Aber es ist oft ein unbezahlbares Geschenk, eine Führerin bei sich zu haben, hier eben eine Führerin, welche ortskundig ist und die Route kennt – und manchmal auch vor einem unbedachten Schritt warnen kann – oder ihn in aller Stille für Beide, für mich, absichert.
Ich durfte einiges erleben und viel kennenlernen – doch im Kern sind die wichtigen, die tröstenden und Leitkraft schenkenden Dinge klein und scheinbar unspektakulär. Es lässt sich mit der Erinnerung an ganz einfache Gesten der Weg meiner Selbstfindung erzählen:
Ich erinnere mich an die wissenden, direkten, prüfenden und oft lachenden Augen einer reifen Frau, die mich empfing und in mir las, lange bevor ich fähig wurde, wirklich von mir zu erzählen.
Ich erinnere mich ans letzte Zeitalter vor dem Internet, mit vielen Jahre mit heissen Briefen, die abgelegt und gelesen wurden, sorgfältig und mit Bedacht, wie ich heute weiss.
Ich erinnere mich an die erste Begegnung mit meiner heute besten Freundin, als ein ursprünglicher Mailkontakt nach vier Jahren längst zu einer Freundschaft geworden war, und die quälende Sehnsucht nach dem Erleben meiner Bestimmung in einem langen Abend voller Gespräche unterging, während meine Hand unter der ihren auf dem Tisch ruhte, als wüsste ich, dass ich Schutz finden würde. In allem.
Ich erinnere mich zwei Jahre später in fernen Landen an ein Hotelzimmer, in dem ich blind kauerte, als die Tür aufging, eine schwere Tasche aufs Bett fiel und mir eine Hand vors Gesicht gehalten wurde, um den Duft von Leder, Haut und Haar einzuatmen, mit dem ich seither jede gute Erfahrung als Sub verbinde.
Ich erinnere mich an den Schimmer samtener Haut und ihren Geschmack auf meinen Lippen, und an den dazu so gegensätzlich aufreizend bis drohend harten Griff zwischen meine Beine, an ein wenig nackte Schönheit, die in ihrem Stolz einer Ritterrüstung glich: Respekt einflössend ,wie der Purpurmantel einer Königin.
Ich erinnere mich an das Gefühl, in geistiger Verbundenheit geborgen zu sein mit Frauen – auch mit submissiven – und ich lernte, dass das Wissen um die Wirkung dominanter Gesten und einer entsprechenden Führung dann seinen besonderen Segen entwickeln kann, wenn man schenken mag, was man selbst so oft vermisst.
Ich erinnere mich an Perfektion, Phantasie im Spiel real erscheinen zu lassen – und an die Behutsamkeit, dies danach richtig einordnen zu wollen.
Ich erinnere mich an meinen gebundenen Körper auf weichen Daunen, an tiefe Blicke und selbstverständlich geöffnete Arme.
Nicht erinnern, aber leben darf ich heute ganz real in einem Körper, der seinen Ausgleich zwischen Kopf und Lenden, zwischen Herz und Hintern gefunden hat – und ich darf darin auf einen Menschen treffen, der neben mir das gleiche Ziel verfolgt: Sich selbst gerecht werden zu wollen, ohne seine Liebsten zu verletzen. Und so entdecke ich in mir und bei mir die Qualitäten und die Menschen neu, die mein Leben so reich machen. Sie und ich müssen mir nur so viel wert sein, wie es mir die ersehnte Liebe meiner Selbst vorzeigt: Ich bin dabei, zum ganzen Menschen zu werden, und ich danke allen Frauen, die mir dabei Freundin waren – und sind.
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