Vom ersten Kontakt bis zur Lebenserfüllung

Es ist so lange her: Ich erlebte dunkle Zeiten, doch irgendwie  erschien mir diese Göttin beim Surfen durchs Internet wie ein Lichtstrahl im Dunkeln. Dabei war es erst nur einfach eine Frau, eine professionelle Domina, die weit genug weg residierte, dass ich den Mut fand, ihr zu schreiben, wohl wissend, dass ich erst nach Monaten eine Gelegenheit haben würde, allenfalls gefasstes Zutrauen in einer realen Begegnung zu festigen.

Sie beantwortete meinen schriftlichen Redeschwall defensiv, wies mich nicht ab, aber machte mir im Grunde auch keine Hoffnungen, und das war bemerkenswert: Ich spürte kein Kalkül, meinen inneren Aufruhr am Köcheln zu halten, um einen potentiellen neuen Kunden zu gewinnen.

Wir wissen bis heute nicht, weshalb ich in dieser frühen Phase weiter schrieb und sie weiter las – aber wir wissen, was daraus geworden ist: Eine Relation, die sehr schnell über gedanklichen Austausch zwischen Dom und Sub hinaus ging und zu einer tiefen Freundschaft wurde, in der wir uns gegenseitig durch alle Tiefen trugen. Selbst als wir uns nach Jahren das erste Mal sahen, war da so viel am Tisch zu erzählen, dass wir jede(r) allein und ohne Session schlafen gingen, aber mit einer Wärme  in Kopf und Herzen, die durch keine Spielsituation hätte runder und voller sein können.

Wir kamen zusammen, gingen nie wieder wirklich auseinander und kämpften stattdessen gegenseitig für den Raum im Leben des anderen, um das Glück möglich zu machen, im realen eigenen Leben das erkennen zu dürfen, was schon da war. So manche Suche nach dem vermeintlich Schöneren führt uns im Grunde weg vom einfachen und klaren Weg.

Das Projekt dieses Blogs  veranlasst uns, in den Anfängen unseres Austauschs nach Texten zu forschen. Ich werde sie auf dieser Webseite teilweise wiedergeben, weil sie Zeugnisse sind für einen Mann, der seine submissive Neigung und seine entsprechende sexuelle Identiät entdeckte und mit einer Domina zu erleben beginnt. Es ist ein gutes Beispiel und soll ruhig die entsprechende Kraft entfalten, die es auch in sich trägt: Denn aus dieser Begegnung ist eine zweite gewachsen, in deren Obhut mich meine Retterin von damals aus tiefstem Herzen gerne sieht: Meine heutige Herrin, die ich durch sie kennen gelernt habe. Und so lege ich die Texte hier, die alle Mosaiksteine meiner heutigen Persönlichkeit sind, alle auch in die Hände meiner Herrin. Ich werde diese Steinchen mit ihr zusammensetzen und daraus das Bild formen, das wir zusammen unseren Neigungen entsprechend gestalten können. Ich habe noch so viel zu geben. Dass ich erneut so viel geschenkt bekomme, ist einfach ein grosses Glück.

Männer reden nicht gern nicht viel (?)

Männer sind einfach gestrickt, heisst es. Wir haben Knöpfe, die Frau nur zu drücken braucht, und schon reagieren wir berechenbar.

Mag sein, dass wir besser gucken als denken können. Wenn es denn so ist, so liegt aber darin auch das grösste Übel für uns Männer:

Die Welt und wir selbst nagen am offensichtlichen Mangel, dass wir Männer über diese Einschätzung nicht reden können – und schon gar nicht darüber, wie wir unter diesem Bild leiden.

Dass wir auch in Männerfreundschaften kaum über dieses Thema reden, heisst nicht, dass wir zu stumpfsinnig sind. Es bedeutet nur, dass die antrainierten Verhaltensmuster ganz tiefe Furchen haben.

Was ich am allermeisten vermisse: Das echte Männergespräch. Wir kommen uns schon blöd vor, wenn wir das nur schon hören. Und wir neigen sofort dazu, ein solches Ansinnen zu verballhornen. Und dann sprechen wir wieder über Fussball und den Job. Oder so. Männerfreundschaften, die sich mit der Verbundenheit zwischen Frauen vergleichen lassen können, gibt es kaum.

Wir sind einsame Wölfe, die davon ausgehen, dass sie, wenn sie leiden, das mit sich selbst auszumachen haben.

Das gilt, natürlich, erst recht für submissiv veranlagte Männer, welche sich bei einer Domina die Klinke in die Hand geben. Wie mancher von ihnen könnte ein Stück Trost und Mut finden, wüsste er um die Geschichte des anderen.

Kennen Sie als Mann einen einzigen Genossen, dem sie bedenkenlos von Ihrer Sexualität erzählen würden – und von den Nöten, die sie damit auch haben? Eben.

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Bild: Bearbeiteter Cover-Auschnitt des Buches: Wie man Freunde fürs Leben gewinnt (vom Glück einer besonderen Beziehung) – von Wolfgang Krüger, Herder-Verlag, Taschenbuch, ISBN-10:3-451-06085-X (Buch vom Blogautor nicht gelesen)