Ein Filmfestival als Guide fürs ganze Jahr

Ich hinke ja wie die alte Fasnacht hinter den Ereignissen her, aber ich denke, das ist nicht weiter schlimm:

Wenn nämlich ein kleines feines Filmfestival dazu beiträgt, dass sich unser Denken, Fühlen und Leben in Formen visualisieren und verbalisieren lässt, die auch in einem “normalen” gesellschaftlichen Umfeld unverkrampft zur Kenntnis genommen werden, dann ist – oder wäre – viel gewonnen.

Überflüssige Bemerkung? Längst Schnee von vorgestern? Ich glaube das nicht. Man mag für seinen eigenen Lebensentwurf feststellen, die gesellschaftlichen Barrieren wären abgebaut, niemand stört oder verhindert die eigene Lebensart – aber bis zur ehrlichen Akzeptanz und echter Toleranz ist es ein weiter weg. Und wenn es darum geht, überhaupt den freien Blick auf Innen- und Aussenleben von SM, Fetisch und ähnlichem Lifestyle zu weiten, dann, liebe Leute, stehen wir irgendwie noch immer am Anfang. Auf jeden Fall kann ich mich noch gut erinnern, wie heiss mir als junger Mensch Filme wie “The Secretary” einfuhren, die in der Form aufwendiger Spielfilme Themen behandelten und ins Zentrum stellten, die mich in meiner gesamten Identitätsfindung dort abholten, wo ich mich selbst stehen sah – in viel zu quälender Weise in meiner eigenen Stille.

Nun finde ich gar nicht, trotz diesem Blog, dass irgend eine Frage der eigenen sexuellen Identität, welcher Art die auch immer ist, unbedingt öffentlich erstritten werden muss. Hat man als junger Mensch aber das Gefühl, man befände sich mit seinen Neigungen auf dem Pfad in eine allgemein missachtete Welt, dann fällt Vieles viel schwerer.

Und wenn das alles keine Rolle spielt, dann darf man Filme zu unserem Thema letztendlich auch einfach und vor allem geniessen, oder?

 

 

All dies fliesst in den Text ein, mit dem das

Fetish Film Festival Kiel 2011

die Vorstellung seiner Preisträger einleitet:

Das Fetisch Film Festival ist in Europa einzigartig.
Man trifft sich in Kiel, um qualitativ hochwertige Filme über konsensualen SM, Swinger, Transgender und andere liebenswerte Ungewöhnlichkeiten zu finden. Die umfangreichen Publikumsbefragungen münden in den Awards, die für die Filmemacher eine große Ermutigung darstellen, auf einem schwierigen Weg weiterzumachen. Der Weg verläuft zwischen klassischem Arthouse und Adult-Cinema. Ein Begriff für die niveauvolle offene Nische wurde bisher noch nicht gefunden.

Hier nun die Preisträger. Wann immer ich auf erneute Aufführungen der Filme des Festivals  im deutschen Sprachraum hingewiesen werde, veröffentliche ich diese hier gerne.

Bester Film des Jahres:
VIGASIOSEXPLOITATION
von Sebastiano Montresor
http://www.vigasiosexploitation.com

Beste Darstellerin:
Emily Browning in SLEEPING BEAUTY

http://sleepingbeautyfilm.com

Bester Darsteller:
William Van Noland in INDIETRO

http://indietromovie.com

Beste Trans-Performance:
Chiara Pavoni in VIGASIOSEXPLOITATION
http://www.vigasiosexploitation.com

Bester Kurzfilm:
FOURPLAY SAN FRANCISCO von Kyle Henry

http://www.fourplayfilm.com/fourplay_san_francisco.htm

Beste Darstellerinnen in einem Kurzfilm:
Anna Linng and Venus O’Hara
in LOVE ME LIKE YOU HATE ME
http://www.lovemelikeyouhateme.com

Bester Darsteller in einem Kurzfilm:
Gary Chason in FOURPLAY SAN FRANCISCO

http://www.fourplayfilm.com/fourplay_san_francisco.htm

Beste Trans-Performance in einem Kurzfilm:
Paul Soileau in FOURPLAY SAN FRANCISCO

http://www.fourplayfilm.com/fourplay_san_francisco.htm

Bester Dokumentarfilm:
HEUTE WEISS ES JEDER
von Gerhard Stahl und Ralph Kiening

http://heuteweissesjeder.de

 

Bester kurzer Dokumentarfilm:
LOVE HUGS KISSES SISSY STEPHANIE
Regie: Mrs G.

http://hydromadamproductions.blogspot.com/p/vintage-cilps.html

Beste Webseite eines Filmproduzenten:
http://www.erikalust.com

Bestes Musikvideo:
FETISH mit Faith Michaels
Regie: Gaetano Guido

Bester Konzert-Clip:
S&M by Rihanna featuring Britney Spears
http://www.youtube.com/watch?v=88aomeGISxQ

Bester langer Clip:
ARIEL’S JOB INTERVIEW

http://www.restrainedelegance.com

Beste Darstellerin in einem langen Clip:
Ariel Anderssen in ARIEL’S JOB INTERVIEW

http://www.restrainedelegance.com

Bester Darsteller in einem langen Clip:
FEMDOM COUPLE

http://www.menareslaves.com

Beste Trans-Performance in einem langen Clip:
Kallista Rene Eisha
in SISSY SLUT MANUAL

http://www.transfetishvideo.com

Bester kurzer Clip:
EROTIC DAYDREAMS

http://www.restrainedelegance.com

Beste Darstellerinnen in kurzen Clips:
Christina Carter in EROTIC DAYDREAMS (Restrained Elegance)
Janey in LADETTE TO LADY (Restrained Elegance)
Katey Cee in LADETTE TO LADY (Restrained Elegance)

http://www.restrainedelegance.com

Bester Darsteller in einem kurzen Clip:
WEAR MY SIGN

http://www.sado-ladies.com

http://www.clips4sale.com/store/13472

Beste Trans-Performance in einem kurzen Clip:
SLAVE LIFE WITH MISS O

http://www.menareslaves.com

Beste Membership-Webseiten:

http://www.carmenrivera.com

http://www.cruella.com

http://www.lady-asmondena.com
http://www.restrainedelegance.com
http://www.rubbersisters.com

http://www.schlagendegirls.com

Offizielle Webseite des Festivals:

http://www.fetisch-film-festival.de

Domina darf nicht mehr für Germanwings peitschen

Germanwings wollte originell sein, und sich aufgeschlossen geben. Nehme ich mal an.

Auf jeden Fall hat der Billigflieger einen Werbespot produziert, in dem eine Domina einen masochistischen Geschäftsmann darüber “verhört”, warum er zu teuren Tarifen Business-Class fremdgebucht hatte?

Scheinbar hat der Spot viele negative Reaktionen ausgelöst – und Germanwings hat ihn flugs wieder vom Netz, sprich von Youtube runter genommen.

Begründet hat man das mit der neuen Alters”kontrolle”, die Youtube gerade einführt – und für Werbung will Germanwings niemanden “zwingen”, sich wo registrieren zu lassen.

Selbstverständlich hat der Rückzug von Germanwings überhaupt nichts mit den negativen Kommentaren in der Facebook-Gemeinde zu tun.

Und wie mancher stiller Masochist wird sich angesichts der Episode wieder mal fragen, wie scheinheilig oberflächlich offen und tolerant “die Gesellschaft” denn heute ist?

Gefällt der Spot oder nicht?

horizont.net: Germanwings nimmt Domina-Spot aus dem Netz

Also, ich finde, die Werbebotschaft ist ziemlich klischiert und simpel, aber darüber könnte man sich bei Werbe-Spots in 90% der Fälle beklagen. Der Spot ist professionell gefilmt, ästhetisch schön. Zumindest, was die Dame und die Atmosphäre betrifft. Der Mann übernimmt den lächerlichen Teil – in der Form eben, wie ihn sich eine Regie ohne Affinität zum Thema denken kann. Und die Reaktionen, welche die sexuelle Neigung mit verunglimpfen wollen? Ach, das ist einfach das Spiegelbild dessen, was ich doch schon weiss.

Viel Lärm um herzlich wenig, und genau das sagt viel über den Stand der Dinge aus. Leider. Dazu gehört auch die Tatsache, dass dieses Filmchen durch eine Alterslimite geblockt wird. Da denke ich dann an so manche TV-Werbung auf privaten Kanälen für Handy-Filmchen – die sich ganz bewusst an Teenager richten und öffentlich ausgestrahlt werden. Irgendwie ziemlich schief gewickelt, unsere Gesellschaft, oder?

Eindrücke: “24/7 The Passion of Life” auf Arte

Ich habe mir den Film  24/7 The Passion of Life auf Arte angeschaut.

Er wird übrigens Am Samstag, 12. Nov.  um 02h50 wiederholt.

Filmfoto:

Ich habe keine Lust und keinen Anspruch auf eine ausgewogene Filmkritik. Dafür denke ich mich wohl in eine solche Produktion viel zu sehr hinein, bewahre keine Distanz.
Aber so viel möchte ich dazu schon los werden:

Mir hat der Film gefallen. Ich finde, dass er verschiedene Figuren im Umfeld eines Domina-Lebens – und deren Person selbst – durchaus liebevoll gezeichnet hat und damit hinter die erste Wand oberflächlicher Projektionen geleuchtet hat. Auch die Leistung der Schauspieler war beeindruckend.

Auch wenn ein Spielfilm immer eine intellektuelle Auseinandersetzung mit einem Thema ist, so macht gerade dieser Film dies klar:

Bricht man das scheinbar Stereotype auf, wird schnell klar, wie viel “Kopfarbeit” in der Grundkonstellation von Sub und Dom liegt und darin sowohl Problem wie Chancen der Gäste liegen:

Auf der einen Seite steht die Herausforderung, sich wirklich fallen lassen zu können, seine Lust zuzulassen, und andererseits wird durch die herbei geführte Konstellation unheimlich viel im Kopf ausgelöst.

Nachdenklich macht die Botschaft, dass der Mensch, ohne dass er seine sexuelle Identität gefunden und akzeptiert hat, im Grunde mit dem Menschsein gar nicht beginnen kann.

Manchmal wünschte ich mir, ein solcher Film würde ganz bewusst auf für Aussenstehende extrem wirkende Rollenverhalten der Protagonisten verzichten – aber wahrscheinlich ist der Reiz, durch den “Mut”, solches darzustellen, auch entsprechend aufzufallen, einfach zu gross. Immerhin ist Reber zu attestieren, dass er tatsächlich versucht, die Menschen mit diesen Rollenidentitäten tatsächlich ernst zu nehmen. Auf jeden Fall nehme ich ihm das ab.

Dann bleibt eines für mich noch wichtig, von dem ich meine, dass es im Film sehr deutlich wird:

Der Rufer in der Wüste, die Person, welche den klarsten Blick aufs Leben zu werfen vermag, bleibt inmitten ihres Umfelds sehr allein. Es ist dies für mich immer wieder die stumme Frage, die über allem hängt, über jedem kleinen Stück Glück, das ich gewinne:

Und was ist mir Dir, Herrin?

Vielleicht muss sie stets die Wahrheit mehr  (er-)leben, dass wir alle im Grunde mit uns allein sind. Je mehr wir das zulassen, dieses “Uns”, je mehr wir uns selbst akzeptieren können, um so weniger werden wir damit aber einsam. Und dafür wünsche ich klarsichtigen Menschen aller Couleurs auf jeden Fall immer wieder neu, dass sie Begleiter finden auf ihrem Weg, mit denen sie sich – in welcher Form auch immer – tatsächlich darüber verständigen können, was zu suchen im Leben sich lohnt. Für jeden Einzelnen auf dessen Weg.

My Normal – Filmempfehlung

Mein dominantes Leben – Ein Beispiel eines Films, wie er am 4. Fetish Film Festival in Kiel eben gezeigt wurde.
Den Trailer gibt es hier zu sehen:

Der Trailer bringt am Ende eine Haltung  prägnant auf den Punkt:

Mein Leben – Meine Leidenschaft – My Normal

Macht irgendwie Lust auf den Anfang, auf die ganze Geschichte, finde ich.

Hinweis via hardsensations.com

Ausführliche Rezensionen und Besprechungen des Filmfestivals bei Domenique von Sternenberg:

In zahlreichen aktuellen Blogbeiträgen.