Mein Glück mit und unter Dir

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24/7 geht nicht. Hört man immer wieder.

Ich bin ja der letzte, der wirklich autorisiert wäre, darüber zu urteilen, denn ich habe keine entsprechenden Erfahrungen. Was ich gerade erlebe und mit Leben füllen will, ist das verbindliche Bekenntnis zu einem Menschen, dem ich Freund sein will – und ehrlich empfindender Spielgefährte, wenn wir denn Gelegenheit bekommen, uns darin weiter einander zu nähern.

Nachdenken mag ich zu und über 24/7 aber schon.

Wie weit kann eine D/s-Beziehung gehen, wie umfassend darf sie das Leben zweier Menschen bestimmen?

24/7-Konstellationen im Kopfkino leben oft von der Fiktion einer undwiderbringlich installierten und entsprechend durchgesetzten Sklavenschaft. Sie sind ohne Schaden für die menschliche Person wohl nicht zu leben und durchzuhalten. Reden wir von einander mit mehr als nur Respekt, mit Zuneigung und Liebe verbundenen Menschen, so kann 24/7 nur etwas anderes heissen:

Im Wechselspiel von Augenhöhe und Unterwerfung stehend wie kniend  dieses unbeschreibliche, ganzheitliche JA immer wieder neu zu fühlen, zu vertiefen, auszusprechen und neu zu feiern. Die Unterwerfung des Sklaven muss im Bewusstsein beider Seiten stets ein bewusster Akt bleiben, ein sich erneuerndes Geschenk, zu dem immer wieder beide Seiten Ja sagen. Ich kann mir vorstellen, dass man als Sub in einer Lebensgemeinschaft ganz besonderen Ängsten ausgesetzt sein kann, wenn man sich selbst nicht gut spürt und an sich zweifelt. Die Kette, die Fessel wird zum einzigen Halt versprechenden Bindeglied. Darum ist es bestimmt als Dom oft eine sehr viel Kraft brauchende Anforderung, Halt zu geben und gleichzeitig dagegen anzukämpfen, dass der sich Unterwerfende sein einziges Glück, seine Lebensgrundlage nur noch in seiner Herrin sieht, oder ihrem Herrn.

Es kann nur dauerhaft funktionieren, wenn ich als Sub begreife, dass alles, was ich über mich lerne und in diesem einen Menschen erlebe, ein wunderbares Geschenk ist, an dem ich als Person wachsen kann. Ich kann daraus schliessen, dass ich niemals mehr ohne diesen Menschen leben möchte. Das empfinden “normal” Liebende auch so. Ich muss aber in meinem Innersten wissen, dass das, was ich an Akzeptanz erlebe, ich mir selbst für mich auch aneignen muss: Meine Herrin ist meine Lehrerin. Was ich lerne, gehört mir und bleibt mir erhalten, selbst wenn ich von ihr jemals dauerhaft getrennt werden sollte.

Und kein Dom will in der Einsamkeit absoluter Herrschaft stets über den Kopf seines Partners hinweg sehen. Inspiration, gemeinsames Leben bedeutet, die Talente des anderen zu fördern, und ihn darin auch zu bestärken. Das bedeutet dann ganz natürlich, dass ich mit breiten Schultern durchs Leben gehe – die ich dann, wenn es Zeit dafür ist, um so freigiebiger und bewusster wieder vor Ihr fallen lasse.

Das Spektrum der möglichen Ausgestaltungen ist riesig – und wie in anderen Beziehungen auch ist wohl die allergrösste Herausforderung, diese Breite zu erhalten und nicht in Stereotype zu verfallen. Gerade als Sklave muss ich wissen: Wenn ich nur noch nach Erniedrigung verlangen sollte – dann habe nicht nur ich, sondern auch meine Partnerin ein grosses Problem, und es ist Zeit, zu gehen.

Eindrücke: “24/7 The Passion of Life” auf Arte

Ich habe mir den Film  24/7 The Passion of Life auf Arte angeschaut.

Er wird übrigens Am Samstag, 12. Nov.  um 02h50 wiederholt.

Filmfoto:

Ich habe keine Lust und keinen Anspruch auf eine ausgewogene Filmkritik. Dafür denke ich mich wohl in eine solche Produktion viel zu sehr hinein, bewahre keine Distanz.
Aber so viel möchte ich dazu schon los werden:

Mir hat der Film gefallen. Ich finde, dass er verschiedene Figuren im Umfeld eines Domina-Lebens – und deren Person selbst – durchaus liebevoll gezeichnet hat und damit hinter die erste Wand oberflächlicher Projektionen geleuchtet hat. Auch die Leistung der Schauspieler war beeindruckend.

Auch wenn ein Spielfilm immer eine intellektuelle Auseinandersetzung mit einem Thema ist, so macht gerade dieser Film dies klar:

Bricht man das scheinbar Stereotype auf, wird schnell klar, wie viel “Kopfarbeit” in der Grundkonstellation von Sub und Dom liegt und darin sowohl Problem wie Chancen der Gäste liegen:

Auf der einen Seite steht die Herausforderung, sich wirklich fallen lassen zu können, seine Lust zuzulassen, und andererseits wird durch die herbei geführte Konstellation unheimlich viel im Kopf ausgelöst.

Nachdenklich macht die Botschaft, dass der Mensch, ohne dass er seine sexuelle Identität gefunden und akzeptiert hat, im Grunde mit dem Menschsein gar nicht beginnen kann.

Manchmal wünschte ich mir, ein solcher Film würde ganz bewusst auf für Aussenstehende extrem wirkende Rollenverhalten der Protagonisten verzichten – aber wahrscheinlich ist der Reiz, durch den “Mut”, solches darzustellen, auch entsprechend aufzufallen, einfach zu gross. Immerhin ist Reber zu attestieren, dass er tatsächlich versucht, die Menschen mit diesen Rollenidentitäten tatsächlich ernst zu nehmen. Auf jeden Fall nehme ich ihm das ab.

Dann bleibt eines für mich noch wichtig, von dem ich meine, dass es im Film sehr deutlich wird:

Der Rufer in der Wüste, die Person, welche den klarsten Blick aufs Leben zu werfen vermag, bleibt inmitten ihres Umfelds sehr allein. Es ist dies für mich immer wieder die stumme Frage, die über allem hängt, über jedem kleinen Stück Glück, das ich gewinne:

Und was ist mir Dir, Herrin?

Vielleicht muss sie stets die Wahrheit mehr  (er-)leben, dass wir alle im Grunde mit uns allein sind. Je mehr wir das zulassen, dieses “Uns”, je mehr wir uns selbst akzeptieren können, um so weniger werden wir damit aber einsam. Und dafür wünsche ich klarsichtigen Menschen aller Couleurs auf jeden Fall immer wieder neu, dass sie Begleiter finden auf ihrem Weg, mit denen sie sich – in welcher Form auch immer – tatsächlich darüber verständigen können, was zu suchen im Leben sich lohnt. Für jeden Einzelnen auf dessen Weg.