Ich komme leider nicht aus meinem Loch. Noch nicht zumindest.
Weiss der Teufel. Aber die Tatsache, dass ich dieses Jahr 50 werde, veranlasst mich dazu, für mich ganz persönlich auch als sexuelles Wesen Zwischenbilanzen aufzustellen.
Zwischenbilanzen? Schön wär’s. Ich merke, dass ich daraus aus meinem ganz persönlichen Frust Endbilanzen mache.
In einer solchen Grundstimmung sollte man sich SM-mässig besser gar nicht betätigen. Und besteht dazu auch gar keine Möglichkeit, so hat das so gesehen sein Gutes.
Leider lässt sich dann auch nicht ehrlich oder nur sehr bitter darüber schreiben. Und das hat niemand verdient. Schon gar nicht die Menschen, die mir noch so gerne helfen würden und von meiner Krise wissen
Nicht mal zum “Rückgriff” auf Konserven mag ich mich momentan aufraffen… Also: Es bleibt hier noch ruhig…
Liebe Leute, ein Ziel dieses Blogs ist es, davon Zeugnis zu geben, dass SM eine ganz eigene aber völlig natürliche Spielart einer sexuellen Identität sein kann – und dazu gehören eben auch die seelischen Schmerzen und Defizite, die es in jeder Form von Begegnung und Identitätssuche gibt. Nicht mehr, aber ganz sicher auch nicht weniger als bei “normal gestrickten” Menschen.
Das tut mir leid, auch wenn ich niemandem Rechenschaft schuldig bin (leider).
Die meisten Gründe sind durchaus positiver Art: Es gibt auch Ablenkungen vom Drang, seiner Libido zu folgen, die durchaus angenehm sein können – und es gibt Phasen, in denen reales Erleben vor Reflexionen steht.
Und den Begriff der Libido will ich eh ganz weit fassen: Die Fähigkeit, Sinnlichkeit zuzulassen und zu erleben kann, zum Beispiel, auch auf einer Reise genossen werden, wenn man sich den Fahrtwind auf einem Schiff durchs Haar streichen lässt.
So bin ich ein ganz normaler Mann mit seinen Träumen – und der Demut, die es erlaubt, auch für ein ganz normales, brav bürgerlich erscheinendes Lebensgefühl dankbar sein zu können.
Tamlin nimmt ein “wichtiges” Thema auf. Ein schönes, wie ich in jedem Fall finde:
Ist BDSM etwas für alte Menschen? Was für eine scheinbar dumme Frage, nicht wahr? Aber es ist doch wichtig, sie zu stellen. Denn wenn man sich hinein denkt, kann man feststellen, dass gerade BDSM ganz wunderbar attraktiv bleibt und Menschen attraktiv bleiben lässt, weil “wissende Partner” in keiner anderen sexuellen Begegnungsart so viel Ausdruckskraft und Attraktivität ausspielen können, wie gerade in SM.
Meinen dazu gemachten Kommentar wiederhole ich daher hier gerne:
Schönes Thema. Und ich würde die durchaus bleibende Attraktivität auch nicht auf den Top beschränken: Keine anderen Verwirklichungsarten im Sex haben wie BDSM das Potential, die Schönheit der Haltung, der inneren Verbindung zu dem, was man äusserlich tut, auszudrücken.
Alles, was eine Top-Bottom-Relation ausmacht, ist in seiner tieferen Bedeutung alterslos. Ich würde sogar sagen: Die Macht und Attraktion eines “wissenden Partners” ist nirgends so gross wie bei SM.
Ich finde gerade das sehr schön: Die Vorstellung, mit jemandem alt werden zu können, funktioniert bezüglich der körperlichen Attraktion nirgends so gut und leicht wie in SM-Beziehungen.
Dann muss ich allerdings den werten Tamlin auch noch rügen: Das “hohe Alter” beginnt nun wirklich nicht mit 60. Nicht mal zwischen Gänsefüsschen.
Ich hinke ja wie die alte Fasnacht hinter den Ereignissen her, aber ich denke, das ist nicht weiter schlimm:
Wenn nämlich ein kleines feines Filmfestival dazu beiträgt, dass sich unser Denken, Fühlen und Leben in Formen visualisieren und verbalisieren lässt, die auch in einem “normalen” gesellschaftlichen Umfeld unverkrampft zur Kenntnis genommen werden, dann ist – oder wäre – viel gewonnen.
Überflüssige Bemerkung? Längst Schnee von vorgestern? Ich glaube das nicht. Man mag für seinen eigenen Lebensentwurf feststellen, die gesellschaftlichen Barrieren wären abgebaut, niemand stört oder verhindert die eigene Lebensart – aber bis zur ehrlichen Akzeptanz und echter Toleranz ist es ein weiter weg. Und wenn es darum geht, überhaupt den freien Blick auf Innen- und Aussenleben von SM, Fetisch und ähnlichem Lifestyle zu weiten, dann, liebe Leute, stehen wir irgendwie noch immer am Anfang. Auf jeden Fall kann ich mich noch gut erinnern, wie heiss mir als junger Mensch Filme wie “The Secretary” einfuhren, die in der Form aufwendiger Spielfilme Themen behandelten und ins Zentrum stellten, die mich in meiner gesamten Identitätsfindung dort abholten, wo ich mich selbst stehen sah – in viel zu quälender Weise in meiner eigenen Stille.
Nun finde ich gar nicht, trotz diesem Blog, dass irgend eine Frage der eigenen sexuellen Identität, welcher Art die auch immer ist, unbedingt öffentlich erstritten werden muss. Hat man als junger Mensch aber das Gefühl, man befände sich mit seinen Neigungen auf dem Pfad in eine allgemein missachtete Welt, dann fällt Vieles viel schwerer.
Und wenn das alles keine Rolle spielt, dann darf man Filme zu unserem Thema letztendlich auch einfach und vor allem geniessen, oder?
All dies fliesst in den Text ein, mit dem das
Fetish Film Festival Kiel 2011
die Vorstellung seiner Preisträger einleitet:
Das Fetisch Film Festival ist in Europa einzigartig.
Man trifft sich in Kiel, um qualitativ hochwertige Filme über konsensualen SM, Swinger, Transgender und andere liebenswerte Ungewöhnlichkeiten zu finden. Die umfangreichen Publikumsbefragungen münden in den Awards, die für die Filmemacher eine große Ermutigung darstellen, auf einem schwierigen Weg weiterzumachen. Der Weg verläuft zwischen klassischem Arthouse und Adult-Cinema. Ein Begriff für die niveauvolle offene Nische wurde bisher noch nicht gefunden.
Hier nun die Preisträger. Wann immer ich auf erneute Aufführungen der Filme des Festivals im deutschen Sprachraum hingewiesen werde, veröffentliche ich diese hier gerne.
Beste Darstellerin in einem langen Clip:
Ariel Anderssen in ARIEL’S JOB INTERVIEW
http://www.restrainedelegance.com
Bester Darsteller in einem langen Clip:
FEMDOM COUPLE
http://www.menareslaves.com
Beste Trans-Performance in einem langen Clip:
Kallista Rene Eisha
in SISSY SLUT MANUAL
http://www.transfetishvideo.com
Bester kurzer Clip:
EROTIC DAYDREAMS
http://www.restrainedelegance.com
Beste Darstellerinnen in kurzen Clips:
Christina Carter in EROTIC DAYDREAMS (Restrained Elegance)
Janey in LADETTE TO LADY (Restrained Elegance)
Katey Cee in LADETTE TO LADY (Restrained Elegance)
http://www.restrainedelegance.com
Bester Darsteller in einem kurzen Clip:
WEAR MY SIGN
http://www.sado-ladies.com
http://www.clips4sale.com/store/13472
Beste Trans-Performance in einem kurzen Clip:
SLAVE LIFE WITH MISS O